Eltern werden alt, Kinder noch nicht raus – und mittendrin du

Morgens rufst du beim Hausarzt deiner Mutter an, weil sie es selbst nicht mehr schafft, und vereinbarst nebenbei den Pflegedienst-Termin. Mittags unterschreibst du die Entschuldigung fürs Kind, buchst den Handwerker und schiebst eine Mail für die Arbeit dazwischen. Abends sitzt du am Telefon mit deinem Vater, der sich einsam fühlt und reden will. Und irgendwo in diesem Tag sollst du auch noch funktionieren, freundlich sein und am besten nicht zusammenbrechen.

Und dann, kurz vorm Einschlafen, der Gedanke: Wann hat sich eigentlich zuletzt jemand gefragt, wie es MIR geht?

Frau in der Sandwich-Generation

Das hat einen Namen: die Sandwich-Generation

Du steckst zwischen zwei Schichten fest, die beide gleichzeitig an dir ziehen. Nach unten die Kinder, die noch nicht raus sind und weiter Nerven, Geld und Aufmerksamkeit kosten. Nach oben die Eltern, die langsam Hilfe brauchen, körperlich und emotional. Und du bist die Scheibe in der Mitte, die alles zusammenhält.

Und mal ganz nüchtern gesagt: Diese Pflege- und Kümmer-Arbeit bleibt fast immer an den Frauen hängen. Selten am Bruder, selten am Mann, sondern an dir. Du organisierst, du erinnerst, du fängst auf, oft ganz selbstverständlich, weil es schon immer so war.

Du trägst gerade zwei Generationen gleichzeitig. Kein Wunder, dass für dich selbst nichts übrig bleibt.

Warum es ausgerechnet jetzt zusammenkommt

Es ist kein Zufall, dass dich das mit Mitte 40 oder Anfang 50 trifft. Genau in diesem Alter werden die eigenen Eltern gebrechlich, während die Kinder noch Schule, Pubertät und Begleitung brauchen. Dazu kommen bei dir vielleicht noch die Wechseljahre, die ohnehin an deinen Reserven zerren, dir den Schlaf rauben und die Nerven dünner machen. Drei Baustellen gleichzeitig, ein Mensch, und niemand hat dich gefragt, ob du das alles stemmen willst.

Mental Load und Überlastung

Das Doppel-Gewissen, das dich auffrisst

Das Fiese am Sandwich-Leben ist nicht nur die schiere Menge. Es ist das schlechte Gewissen nach allen Seiten gleichzeitig. Bei der Mutter denkst du an dein Kind, das auch was bräuchte. Beim Kind denkst du an deinen Vater, der allein zu Hause sitzt. Bei der Arbeit denkst du an beide. Und für dich selbst hast du sowieso keine Zeit, und wenn du dir doch mal welche nimmst, fühlt sie sich falsch an, fast egoistisch.

So bist du überall nur halb da und nirgends genug. Dieses Gefühl, ständig irgendwo zu fehlen, zermürbt oft mehr als die eigentlichen Aufgaben. Und obendrauf kommt das Unsichtbare: das ständige Mitdenken, das Organisieren im Kopf, der Mental Load, der in keinem Kalender steht, aber die meiste Kraft frisst.

Was du dir erlauben darfst

  • Hilfe ist keine Schwäche. Pflegedienst, Pflegeberatung, Haushaltshilfe, Geschwister in die Pflicht nehmen. Du musst nicht alles allein stemmen, nur weil du es immer getan hast. Es gibt für vieles Unterstützung, du musst sie dir nur holen, und das ist klug, nicht faul.
  • Aufgaben abgeben, auch unperfekt. Wenn dein Mann den Arzttermin übernimmt, macht er es vielleicht anders, als du es tun würdest. Anders heißt nicht schlechter. Lass los, statt alles zu kontrollieren, sonst landet doch wieder alles bei dir.
  • Ein Stück Tag, das nur dir gehört. Keine Belohnung, die du dir erst verdienen musst, sondern der Tank, ohne den du nicht fährst. Eine halbe Stunde, fest eingeplant wie jeder andere Termin.
  • Nein sagen dürfen. Auch zu Menschen, die du liebst. Du kannst nicht alles für alle sein. Wenn du dich völlig aufreibst, hat am Ende niemand etwas davon, am wenigsten die, die dich brauchen.
Zeit für sich nehmen

Wann es zu viel ist

Dauererschöpfung, Schlaflosigkeit, das Gefühl, nur noch zu funktionieren, eine Gereiztheit, die du nicht mehr steuern kannst, oder eine Niedergeschlagenheit, die nicht mehr weggeht: Das ist kein Jammern auf hohem Niveau, das sind Warnsignale. Pflegende Angehörige brennen leise aus, oft ohne es selbst zu merken, weil sie ja funktionieren müssen. Hol dir Unterstützung, bei der Pflegeberatung, beim Hausarzt, bevor du selbst umkippst. Es gibt Entlastungsangebote, Kurzzeitpflege, Selbsthilfegruppen. Du musst das nicht allein durchhalten.

Du bist nicht nur die Scheibe in der Mitte

Du bist nicht nur dazu da, andere zusammenzuhalten. Dass du das gerade tust, ist bewundernswert und viel zu viel zugleich. Der erste Schritt aus dem Sandwich ist nicht, noch mehr zu schaffen oder noch perfekter zu organisieren. Der erste Schritt ist, dir zu erlauben, nicht alles allein tragen zu müssen. Du kannst aus einem leeren Krug niemandem mehr einschenken, also fang an, auch dich selbst ab und zu nachzufüllen.

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