Manchmal stehst du in der Küche, schnaubst einmal kurz durch und denkst: Mein Gott, wo bleib eigentlich ich? Du tust und machst, tust und machst. Und mittendrin der Gedanke, der dir kurz den Boden wegzieht: Ich erkenne mich selbst nicht mehr wieder.
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Frühstück, Termine, Wäsche, das Geschenk für die Schwiegermutter, die Arzttermine für alle, nur für dich nicht. Du bist Mädchen für alles. Hans-Franz für die ganze Familie. Und gesehen wirst du dafür von keinem, nicht von den Kindern, nicht vom Mann. Du läufst, weil du immer gelaufen bist.

Funktionieren ist nicht dasselbe wie da sein
Das ist der Kern. Du funktionierst auf Hochtouren, und trotzdem hast du das Gefühl, immer weniger zu existieren. Weil Funktionieren etwas anderes ist als gesehen werden. Du bist die, die alles am Laufen hält, die Logistikerin, die Krisenmanagerin, die gute Seele. Aber die Frau dahinter, die mit eigenen Wünschen, Launen und Träumen, ist hinter den Aufgaben verschwunden.
Es gibt sogar einen Begriff für das, was du da trägst: Mental Load. Das ständige Mitdenken, Organisieren, Im-Kopf-Behalten für alle. Wer wann zum Sport muss, wann die Vorsorge ansteht, dass die Oma Geburtstag hat, dass die Milch alle ist. Diese Arbeit steht in keinem Kalender und bekommt kein Dankeschön, aber sie kostet die meiste Kraft von allem.
Du hast dich nicht verändert. Du bist nur unter lauter Aufgaben begraben, die alle für andere sind.
Warum es ausgerechnet jetzt kippt
Mit Mitte 40 kommt einiges zusammen. Die Kinder werden selbständiger, plötzlich ist abends eine Stille, in der vorher Trubel war, und in dieser Stille hörst du die Frage zum ersten Mal richtig laut. Die eigenen Eltern werden langsam zum Thema, du trägst nach oben und nach unten gleichzeitig. Und die Hormone zerren ohnehin an deinen Nerven und nehmen dir die Geduld für Dinge, die dir nicht guttun. Was dich jahrelang stillgehalten hat, hältst du auf einmal schlechter aus. Das fühlt sich erst an wie Gereiztheit. In Wahrheit ist es oft dein Selbstwert, der sich zurückmeldet.

Der blinde Fleck
Frag dich mal ganz konkret: Was willst eigentlich du? Nicht die Kinder, nicht der Job, nicht der Partner. Du. Bei den meisten Frauen kommt an dieser Stelle ein langes Schweigen. Du weißt bis ins kleinste Detail, was alle anderen brauchen, welche Schuhgröße, welcher Lieblingsjoghurt, welcher Termin. Bei dir selbst ist da nur ein großes Fragezeichen. Genau das ist das Zeichen, dass du dich selbst aus den Augen verloren hast, und genau da fängt der Weg zurück an.
Wo du anfängst, ohne alles umzuwerfen
- Lass die Frage „und ich?“ stehen, statt sie sofort wegzuwischen. Sie ist nicht egoistisch, sie ist überfällig. Du darfst sie dir stellen, ohne dich dafür zu rechtfertigen.
- Ein kleines Nein diese Woche. Eins reicht für den Anfang. Du musst nicht über Nacht zur Grenzgängerin werden, ein einziges ernst gemeintes Nein ist ein Anfang.
- Eine halbe Stunde, die nur dir gehört, fest eingeplant wie jeder andere Termin auch. Nicht „wenn ich mal Zeit habe“, denn die kommt nie von allein.
- Gib einen Teil ab. Du musst nicht alles allein tragen, nur weil du es immer getan hast. Wer nie etwas abgibt, dem wird auch nie etwas abgenommen.
Du bist nicht verschwunden
Du wurdest nur sehr lange nicht gefragt. Auch nicht von dir selbst. Das darf jetzt aufhören. Nicht mit einem großen Knall, nicht mit dem Umsturz deines ganzen Lebens, sondern mit dem ersten Mal, dass du dich wieder auf deine eigene Liste setzt. Ganz oben, oder wenigstens nicht mehr ganz unten.
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